Drei Tage im Land der ‚Whopper‘ unterwegs oder ‚Warum Führung kein PowerPoint-Konzept ist‘

Seminare sollten nie in Power Point-Schlachten enden: Interaktion und individuelle Anpassung auf die Bedürfnisse der Teilnehmenden ist der Clou. So hat sich mein 3-tägiges Seminar in Hannover bei Führungskräften von Burger King entwickelt und bewährt!
Führung zeigt sich selten nicht in Modellen, Organigrammen oder sauber formulierten Leitbildern. Sie zeigt sich im Alltag, dort wo es ‚heiß‘ hergeht und wo es schnell gehen muss. Dort, wo Menschen unter Druck Entscheidungen treffen. Im täglichen Miteinander, wo Erwartungen von Kunden, Mitarbeitenden und Geschäftsführung gleichzeitig auf dem Tisch liegen.
In unserem Seminar wurde gearbeitet, gelacht, diskutiert, reflektiert – und öfter auch mal tiefer hingeschaut. Wieder wurde einmal deutlich: Gute Führung beginnt nicht bei den anderen, sondern bei mir und vor allem: Bei meiner Haltung. Ich sollte mir die Fragen stellen: Wer bin ich als Führungskraft, wenn es anspruchsvoll wird? Was sind meine Werte? Und wie gelingt es mir, diese Werte nicht nur zu haben, sondern sie im Team spürbar werden zu lassen?
Es ist leicht, über Wertschätzung, Klarheit oder Verantwortung zu sprechen, wenn alles rundläuft. Entscheidend wird es dann, wenn der Ton schneller wird, die Abläufe enger werden und trotzdem Menschen Orientierung brauchen. Zusammengefasst: „Wenn Führung einfach wäre, könnte es jeder.“
Und erst unter Druck zeigt sich, wie tragfähig meine eigene Führung wirklich ist. Dann geht es um Werte und nicht als schöne Begriffe an der Wand, sondern als ganz konkrete Entscheidungshilfe im Führungsalltag. Wie kommuniziere ich, wenn es stressig wird? Wie bleibe ich klar, ohne hart zu werden? Wie gebe ich Halt, ohne alles selbst zu übernehmen? Und wie schaffe ich es, mein Team mitzunehmen, wenn die Geschwindigkeit hoch ist?
Total gefreut hatte mich das „warm welcome“ der Gruppe. Von der ersten Minute an war da eine Offenheit und Herzlichkeit, die man vielleicht tatsächlich besonders in der Gastronomie spürt. Menschen, die gewohnt sind, mit Menschen zu arbeiten. Die schnell reagieren müssen, aufmerksam bleiben und gleichzeitig eine Atmosphäre schaffen, in der andere sich willkommen fühlen.
Auch in dieser Gruppe habe ich Führungskräfte erlebt, die sehr viel Verantwortung tragen – oft mehr, als man von außen sieht. Menschen, die ihren Job ernst nehmen. Die nicht einfach auf die Uhr schauen, wann sie „den Griffel hinlegen“ können, sondern es drauf anlegen, dass ihr Verhalten Wirkung im Team zeigt und sich entsprechend auf die Stimmung im Team positiv auswirkt. Das schlägt sich auf die Qualität nieder und auch auf den ganzen Betrieb.
Dieses berühmte Herzblut war in Hannover nicht nur ein Wort, es war überall zu spüren: in Gesprächen spürbar, in der Bereitschaft, sich selbst zu hinterfragen und in der Offenheit, über schwierige Situationen zu sprechen. Schließlich in dem Bedürfnis, Führung nicht nur irgendwie zu machen, sondern besser zu verstehen, wie man andere erreicht, stärkt und mitnimmt.
Mein Fazit nach drei intensiven Tagen:
Führung im Alltag von Burger King ist anspruchsvoll, schnell und sicher nicht easy, aber immer menschlich. Dort, wo es heiß läuft, braucht es keine perfekten Führungskräfte. Es braucht Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, hinzuschauen und an sich zu arbeiten.
Danke an die Teilnehmenden für drei intensive Tage, echte Gespräche, viel Offenheit und starke Reflexionsmomente.
Über die Autorin Barbara Liebermeister
Barbara Liebermeister ist Gründerin und Leiterin des IFIDZ – Institut für Führungskultur im digitalen Zeitalter. Als Managementberaterin, Coach und Vortragsrednerin verbindet sie Wirtschaftserfahrung mit wissenschaftlichem Tiefgang und hat mit dem Begriff Alpha Intelligence® ein Konzept geprägt, das die entscheidenden Fähigkeiten moderner Führungskräfte auf den Punkt bringt.
Mit langjähriger Praxis in Führungspositionen und als Coach für Top-Entscheider begleitet sie seit über zwei Jahrzehnten Unternehmen aller Größenordnungen auf dem Weg zu zeitgemäßer Führung – praxisnah, strategisch und wirksam. Die Erkenntnisse aus ihrer Arbeit flossen in mehrere Bücher zu den Themen Selbst-Führung, Networking und Leadership in der digitalen Welt ein.
Barbara Liebermeister ist Lehrbeauftragte an der RWTH Aachen, der Hochschule Kempten u.v.a. und zudem Mentorin an hessischen Universitäten. Sie hat Wirtschaftswissenschaften studiert, einen Master in Neurowissenschaften sowie Ausbildungen als Business-, Management- und Sport-Mentalcoach absolviert.
Ausgezeichnete Arbeit: Für ihre Pionierarbeit wurde sie 2017 für den #digitalfemaleleader Award nominiert. 2018 wurde das von ihrem Institut entwickelte Analyse-Tool LEADT, das die digitale Führungsreife misst, mit dem renommierten Wolfgang-Heilmann-Preis auf der Learntec ausgezeichnet.


