Die größte Illusion im Umgang mit KI

Das steckt tatsächlich hinter KI-Kompetenz
Viele sprechen aktuell über die Fähigkeiten mit KI intelligent umzugehen. Und oft klingt es so, als würde es vor allem darum gehen, Tools zu beherrschen, Prompts zu formulieren oder Anwendungen effizient in den Arbeitsalltag zu integrieren.
Leider viel zu kurz gedacht. Denn wenn ich mir anschaue, wie KI gerade Einzug in Organisationen hält, dann entsteht häufig ein sehr technisches Verständnis von Kompetenz. Wer ein Tool bedienen kann, gilt als kompetent. Wer schneller Ergebnisse liefert, als besonders fortschrittlich.
KI ist ein hilfreicher Unterstützer in vielen Bereichen privat und beruflich. Und so ist es unausweichlich, dass sie auch verändert, wie wir denken, entscheiden und Wirklichkeit bewerten. Und damit verschiebt sich auch das, was wir unter KI-Kompetenz verstehen.
Prof. Dr. Yasmin Weiss beschreibt sehr treffend, dass KI-Kompetenz ihren Wert erst dann entfaltet, wenn wir die eigene Einstiegshürde überwinden und beginnen, unsere Arbeitsweise wirklich zu verändern – nicht nur zu optimieren. Das klingt im ersten Moment simpel, ist aber in der Konsequenz weitreichend.
Denn es zeigt, dass KI-Kompetenz nichts ist, was man einmal „lernt“ und dann abhaken kann. Es ist vielmehr ein Prozess. Ein permanentes Justieren zwischen dem, was die Maschine kann, und dem, was wir als Menschen verantworten müssen.
Natürlich gehört dazu ein Grundverständnis von KI. Zu wissen, wie Systeme funktionieren, wo ihre Grenzen liegen und warum Ergebnisse manchmal überzeugend wirken, obwohl sie es nicht sind. Ebenso wichtig ist ein Gefühl für Daten – für deren Qualität, für ihren Kontext und für die Risiken, die mit ihnen verbunden sind.
Allerdings ist die Fähigkeit, diese Tools sinnvoll zu nutzen ehrlicherweise ist der einfachste Teil.
Die eigentliche Herausforderung liegt woanders.
Sie liegt in der Frage, wie wir uns selbst in dieser neuen Zusammenarbeit verorten. Welche Rolle wir einnehmen. Wo wir Verantwortung tragen – und wo wir sie vielleicht zu schnell abgeben.
Denn je besser KI wird, desto verführerischer wird es, sich auf ihre Vorschläge zu verlassen. Genau deshalb wird kritisches Denken zu einer der zentralen Fähigkeiten. Nicht im Sinne von Misstrauen, sondern im Sinne von Einordnung.
Was ist belastbar? Was ist nur plausibel? Und wo beginnt meine Verantwortung als Führungskraft?
Hinzu kommt eine Dimension, die oft unterschätzt wird: die ethische. KI trifft keine Entscheidungen im eigentlichen Sinne. Sie berechnet, kombiniert, prognostiziert. Die Konsequenzen daraus tragen immer noch wir.
Und gleichzeitig verschiebt sich die Grenze zwischen Mensch und Maschine ständig weiter. Das, was heute noch eindeutig unsere Aufgabe ist, kann morgen schon automatisiert sein. Hier brauchen wir eindeutig eine starke Beweglichkeit: Wo hilft mir KI, was ich kann ich dank KI tatsächlich besser oder schneller und wo liegt der Vorteil in der Kombination meiner Arbeit MIT KI? Dadurch, dass sich dies ständig ändert, muss ich am 'Ball bleiben'.
Wenn ich das zusammennehme, dann wird für mich eines sehr klar: KI-Kompetenz ist keine technische Fähigkeit. Sie ist eine Frage der Haltung. Daher sind wir auch nicht in der Technik, sondern in der Führung unterwegs.
Warum KI ein Leadership Thema ist und bleibt
Denn Führung entscheidet darüber, wie KI im Unternehmen genutzt wird. Ob sie als reines Effizienztool eingesetzt wird oder als echter Denkpartner. Ob Mitarbeitende lernen, Ergebnisse zu hinterfragen oder sich von ihnen leiten lassen. Oder gar ganz neue Dinge erschaffen, die bisher nicht möglich gewesen wären.
Ich beobachte aktuell häufig, dass Organisationen stark in Tools investieren – aber deutlich weniger in das, was eigentlich den Unterschied macht: in Orientierung, Reflexion und bewusstes Entscheiden. Aber gerade das unterscheidet die Laien von den Profis!
Denn KI beeinflusst zunehmend, was wir für richtig, sinnvoll oder relevant halten. Texte wirken stimmig, Argumente logisch, Empfehlungen durchdacht. Hier brauchen wir eine neue Form von Präsenz oder auch von Wachheit.
Entscheidende Frage ist nicht: Wie nutze ich KI? eher: Woran erkenne ich, ob ich ihr vertrauen kann?
Und unsere Teams hier zu sensibilisieren und zu trainieren, zeigt wahre Qualität.
Oder anders gesagt:
Wer nur lernt, KI zu nutzen, wird effizienter.
Wer lernt, mit ihr zu denken, wird wirksamer.
About the author Barbara Liebermeister
Barbara Liebermeister is the founder and director of IFIDZ – Institute for Leadership Culture in the Digital Age. As a management consultant, coach, and speaker, she combines business experience with scientific depth and has coined the term Alpha Intelligence®, a concept that captures the essential skills of modern leaders.
With many years of experience in leadership positions and as a coach for top decision-makers, she has been supporting companies of all sizes on their way to contemporary leadership for over two decades – practical, strategic, and effective. Insights from her work have contributed to several books on the topics of self-leadership, networking, and leadership in the digital world.
Barbara Liebermeister is a lecturer at RWTH Aachen, Kempten University, and others, and also serves as a mentor at universities in Hesse. She studied business administration, holds a master's degree in neuroscience, and has completed training as a business, management, and sports mental coach.
Outstanding work: For her pioneering efforts, she was nominated for the #digitalfemaleleader Award in 2017. In 2018, the analysis tool LEADT developed by her institute, which measures digital leadership maturity, was awarded the prestigious Wolfgang Heilmann Prize at Learntec.


