Führung heißt Sinn stiften können

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Gemeinsam ein Ziel erreichen

Führung heißt Sinn stiften können.

Dr. Susanne K. ärgert sich. Ihre Sekretärin hat einen Termin zweimal vergeben. Frau Dr. K.´s Stimme ist ziemlich scharf, als sie sagt: „Ich bin diese Schlamperei satt, wenn Sie noch nicht einmal meinen Terminkalender ordentlich führen können, dann muss ich mir überlegen, ob Sie für diese Aufgabe überhaupt geeignet sind.“ Die Sekretärin schnappt kurz nach Luft, als sie antworten will, ist Frau Dr. K. bereits in ihrem Büro verschwunden.

Eine schöne Bescherung, so kurz vor Weihnachten. Frau Dr. K. ist in den nächsten Stunden recht kurz angebunden. Die Sekretärin fürchtet um ihren Job.

Wir ärgern uns schon einmal über Unzulänglichkeiten anderer. Das Entscheidende ist jedoch nicht der Ärger, sondern wie wir damit umgehen. Das hat etwas mit unseren Werten zu tun. Für Frau Dr. K. ist es notwendig, einmal darüber nachzudenken, ob ihre Vorgehensweise die Arbeitsleistung ihrer Mitarbeiterin optimieren hilft und das Vertrauensklima dadurch gestärkt wird. Das scheint mir hier nicht der Fall zu sein.

Schöner wäre es, wenn sich Frau Dr. K. bei allem Unmut besonnen hätte, also gefragt hätte, welchen Sinn ihre Worte stiften sollen.

Das Wort Besinnung beinhaltet Sinn, also etwas, das in der Lage ist Sinn zu stiften. Das, was Sinn stiftet ist dann ein Wert. Ein Wert ist für mich das Wünschbare.
Zu fragen ist also, was wünschen sich Menschen im Umgang miteinander? Lasse ich die ökonomischen und ökologischen Motive einmal außen vor (sie sind letztlich im Motivbündel der Menschen in der Minderheit), dann lande ich bei sozialen Wünschen/Werten.

Diese können moralisch und/oder ethisch sein. Ich möchte mich auf die ethischen Werte beschränken. Der höchste Wert, den ich mir hier vorstellen kann ist, mit Menschen so umzugehen, dass sich deren und mein personales Leben eher entfaltet, denn reduziert. Daraus folgt, inwieweit wurde so gehandelt, dass die Menschen um mich herum ein wenig größer werden konnten?

Wer führt, sollte sich fragen: „Was habe ich heute getan, damit meine Mitarbeiter ein wenig wachsen konnten?“ Damit habe ich ein wertorientiertes Ziel meines Handelns. Gleichzeitig kann ich meine Vorgehensweise betrachten, ob sie diesem Ziel auch dienlich war. Zu einer sozial verträglichen Vorgehensweise gehört sicher, mit anderen Menschen so umzugehen, wie diese mit mir umgehen können, ohne die Beziehung zu gefährden.

Oder mit anderen Worten: „Gehe ich mit meinen Mitarbeitern so um, wie ich mir wünsche, dass sie mit mir umgehen?“

Zu den weiteren Werten einer vorbildhaften, Vertrauen erzeugenden Vorgehensweise gehören für mich:
Zivilcourage, kreativer Ungehorsam, Eintreten für Minderheiten, die nicht sozial schädlich agieren, Epikie, kritische Gerechtigkeit, Konfliktfähigkeit.

Zivilcourage ist immer dann gegeben, wenn ich meine überzeugte Meinung auch gegen Widerstand vertrete.

Kreativer Ungehorsam ist die Fähigkeit, realistisch gegen Regeln zu denken und dabei eingefahrene Gleise in Frage stellen zu können.

Das Eintreten für Minderheiten ist dann gegeben, wenn ich deren Rechte auch gegen Widerstand angemessen verteidige.

Epikie fragt immer nach dem Sinn einer Regel. Es gilt, den Sinn zu verwirklichen, auch wenn es gegen den Buchstabenlaut verstößt. Mit Epikie verhindere ich, dass eine Regel zum ‚Gesslerhut‘ wird.

Kritische Gerechtigkeit will sicher stellen, dass im Sinne eines Ulpian der feste Wille vorliegt, einem jeden Menschen sein Recht zukommen zu lassen.

Konfliktfähigkeit meint, überflüssige von notwendigen Konflikten, lösbare von unlösbaren Konflikten zu unterscheiden, zu wissen, wie man Konflikte mit sinnvollem Aufwand löst, keine überflüssigen Konflikte zu produzieren und mit unlösbaren Konflikten auch leben zu können.

Ich vermute, wenn solche Werte vorgelebt werden in der Familie, in den gesellschaftlich relevanten Bereichen unseres Landes, dann entsteht wahrscheinlich etwas, das Menschen Sinn stiftet, etwas, das wir uns sehnlich wünschen: eine Vertrauenskultur, in der sich Menschen aufeinander verbindlich verlassen können und bei allen Unzulänglichkeiten auch als Person anerkannt fühlen.

Autor: Ulf Posé

2017-06-09T11:56:44+00:00 von |